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Ein Ort zum Geniessen – Swiss made

Beste Blickbeziehungen auf Stuttgarts Halbhöhe

Im Jahr 2015 erhielt Andy Bössow, der die Brennerei liebt, von einem Bekannten den Hinweis, im Thurgau stehe eine Destillerie zum Verkauf. Ohne zu zögern flog er mit seiner Frau Martina und den beiden Kindern von Dubai, wo er gerade lebte, zurück in die Schweiz. Kurz entschlossen erwarb er „Macardo“ und begeisterte Master Distiller Bartholomäus Fink für ihr Projekt. Mit Swissness, Tradition, Innovation, Handwerk, Premium-Qualität und Nachhaltigkeit erwarb sich die Destillerie in Strohwilen, nahe der deutschen Grenze bei Konstanz, unter Kennern weltweit einen ausgezeichneten Ruf. Die Produktion verdoppelte sich bis 2018, als Andy und Martina Bössow sich entschlossen, eine nahe gelegene ehemalige Käserei mit zwei Schweineställen aufzukaufen.

Das Konzept: Tradition verbindet sich mit Modernität

Gemeinsam mit den Architekten Ava Monshi-Öttl und Florian Öttl, München, entstand ein Konzept für die neue Welt von Macardo. Neben der Steigerung der Produktionsrate und der Zusammenführung der Lagerung war es vor allem Ziel des Neubaus, die Marke auch für ein internationales Publikum „erlebbar“ zu machen. Neben einem Shop-Bereich, einer Honesty-Bar mit Smoker-Lounge wurden zugleich ein Premium B&B mit zehn Zimmern, Business-Apartments und eine Eventlocation für die Live-Destillerie und Gustation-Veranstaltungen geschaffen.

Die Umsetzung: das Produkt als Mittelpunkt

Das unter Denkmalschutz stehende Käserei-Gebäude blieb als Solitär und Produktionsstätte erhalten, mit neuester Destillerietechnik ausgestattet und in das nachhaltige Gesamt-Energie-(Rück-)Gewinnungskonzept integriert. Der L-förmige Neubau nimmt die Dachschrägen und Proportionen des Altbaus auf und wirkt zur Kantonsstrasse hin im Westen mit dem Fasslager als vollverglastes Schaufenster. Nach innen bildet es einen zentralen, einladenden Hof zum Eingang und Shop-Bereich. Die fünf unterschiedlich hohen, nach Süden gerichteten Dachgiebel zeichnen den natürlichen Geländeverlauf nach und passen das Ensemble der Topologie an. Vor allem aber bieten sie für alle zehn B&B-Zimmer den Rahmen für einen spektakulären Blick auf den Säntis und die Schweizer Alpen. Die große Südterrasse verbindet im Außenbereich die Honesty-Bar mit der Lounge und dem Event-/Multifunktions-/Frühstücksraum.

Ein Gang durch das Gebäudeensemble macht das architektonische Konzept sichtbar. Dem Besucher eröffnet sich mit dem zentralen Innenhof ein Dialog zwischen Alt- und Neubau. Der Blick leitet sich von dort intuitiv zur vollverglasten und großzügig überdachten Eingangsfassade. Vom Eingangs- und Shop-Bereich mit doppelter Raumhöhe führen fünf drei Meter breite Stufen zur Lounge. Verdichtet sich der Raum dabei für einen Moment, so öffnet er sich anschließend durch die raumhohen Fenster erneut mit einem phänomenalen Ausblick auf die umgebende Landschaft und die Schweizer Alpen. Die Farben der Fassade sind von der herbstlichen Umgebung inspiriert – dann, wenn die regionalen Zutaten für die Produkte der Macardo Swiss Distillery geerntet werden.

Auch die Innenarchitektur – ganz nah am Produkt

Gemeinsam mit dem Generalunternehmen Konrad Knoblauch GmbH wurde ein Konzept für die Innenraumgestaltung entwickelt. Schnell war man sich einig, auch hier ganz nah am eigentlichen Produkt für Macardo zu bleiben. Das Eicheholz veredelt im Fass den Geschmack von Whisky & Co. Ebenso verleiht es den Räumen bei Macardo seine eigene Note. Die unterschiedlichen Charaktere von naturbelassener und verbrannter Eiche stellen das wichtigste Gestaltungselement dar. Je nach gewünschter Atmosphäre wurden helle und fast schwarze Hölzer gewichtet. Versetzt montierte Glasscheiben in Nuancen von Gelb bilden als Raumtrenner einen farbigen Akzent. Sie erinnern nicht nur an das mehrschichtig wirkende Destillat im gläsernen Schwenker, sie erzeugen auch Raumtiefe, die bei Sonnenlicht noch verstärkt wird.

Der Sichtbeton und die offenen Leitungen an den Decken verleihen dem Ensemble einen handwerklich rauen Ausdruck. Jedes Zimmer und Apartment im B&B Hotel wurde mit einem individuellen Farbkonzept ausgestattet.

Nachhaltiges Betriebs- und Energiekonzept

Das Wasser der zur Liegenschaft gehörenden Frischwasserquelle wird nicht nur zur Herstellung der Maische (Rohmaterial vor dem Gärprozess) und zur Reinigung der Brennanlagen benutzt, es dient auch der nötigen, gezielten Kühlung des Destillates. Die Abwärme aus den Gär- und Brennprozessen und dem ausgebrannten Schlempentank wird zurückgewonnen und in den 6 m³ fassenden Speichertank geführt. Von dort wird die Wärme entweder zum Vorwärmen der frischen Maische oder von der reversiblen Wärmepumpe genutzt.

Die reversible geothermische Wärmepumpe (Heizen oder Kühlen) wird von zehn Erdsonden mit jeweils 200 m Tiefe gespeist und produziert das warme Heizungs- und Brauchwasser. Der Strom für die Wärmepumpe als auch für die Ladegeräte für die Elektroautos und E-Bikes wird von der installierten Photovoltaikanlage geliefert, die mit mehr als 100 kWp oder 85.000 kWh pro Jahr ausgelegt ist.

«Das Brennen der Destillate mit Holz (nachwachsender Rohstoff), außenliegender Sonnenschutz, Dreifachverglasung, hohe Dämmwerte für Fenster, Fassade und Dach, Nutzung des Regen- und Grauwassers als auch die Überstellung der Schlempe (als Abfallprodukt) zu einer Biogasanlage vervollständigen das komplexe und nachhaltige Betriebs- und Gesamtenergiekonzept der Macardo Swiss Distillery.

Die Markenwelt

Das in Strohwilen dargestellte Gesamtprojekt hat einen Ort für die Marke Macardo geschaffen: großzügige Verglasungen erlauben Einblicke von außen in die Brennerei aber auch ins Fasslager, wo über Jahre der Whisky und die Spirituosen heranreifen. Auch vom Shop-Bereich, von der Honesty-Bar und vom Bürobereich bestehen direkte Sichtverbindungen ins Fasslager. Hier wird deutlich: Im Mittelpunkt der Markenwelt „Macardo“ steht das Produkt – oder besser gesagt „die“ Produkte. Der Um- und Neubau wurde 2021 mit dem ICONIC Award for innovative Architecture ausgezeichnet.

Der Macardo Swiss Premium Whisky, in Fachkreisen auch „The Swiss one“ – den Schweizer unter den Weltklasse Whiskys – genannt, wie auch der „Swiss Thurbon“sind die Klassiker und genießen ein internationales Renommee. Doch inzwischen umfasst das Sortiment auch Gin, Sloe Gin, Rum, Vodka, Wermut, Vieilles und Tresterbrände – alle mit derselben Sorgfalt, Leidenschaft und Innovation hergestellt.

©Autor: Klaus Bossert

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